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Lehrlingsausbildung in Corona-Zeiten

Die Coronavirus-Pandemie beeinflusst das Bildungssystem und den Schulalltag vieler Schüler*innen immer noch maßgeblich. Doch auch an den Lehrlingen geht die Krise nicht spurlos vorbei, wie eine Studie der AK Kärnten in Kooperation mit der FH Kärnten zeigt.
Veröffentlicht am 20.04.2021

AK-Studie: Lehrlingsausbildung leidet unter der Corona-Krise

Die Coronavirus-Pandemie beeinflusst das Bildungssystem und den Schulalltag vieler Schüler*innen immer noch maßgeblich. Doch auch an den Lehrlingen geht die Krise nicht spurlos vorbei, wie eine Studie der AK Kärnten in Kooperation mit der FH Kärnten zeigt. In der öffentlichen Diskussion werden die „Fachkräfte von morgen“ gerne mit den Schüler*innen über einen Kamm geschert. Jedoch ist die duale Ausbildung bei einer Lehre nicht in allen Punkten mit einer gewöhnlichen Schulausbildung vergleichbar.

Freizeitaktivitäten haben sich geändert

Um die schwierige Situation der Lehrlinge während Corona sichtbar zu machen, wurden in Kärnten 217 Lehrlinge zu ihrem derzeitigen Befinden befragt. 77 Prozent gaben an, dass sich ihr Leben durch Corona deutlich verändert hat. Rund 65 Prozent der Lehrlinge verbrachten mehr Zeit in Sozialen Medien, sahen mehr fern oder streamten. Online-Shopping nahm bei rund 53 Prozent zu und 36 Prozent verbrachten die Zeit im Lockdown vermehrt mit Computerspielen.

Auch der Alkohol- und Zigarettenkonsum nahm bei 33 und 29 Prozent der befragten Kärntner Auszubildenden während der Corona-Krise zu. Außerdem beeinflussten die Lockdowns den Tagesrhythmus der Jugendlichen: Laut der Studie gehen 58 Prozent später schlafen und stehen auch später auf. Zudem gaben die Befragten, an seit Beginn der Krise generell müder, antriebsloser, gereizter und aggressiver zu sein.

Probleme bei der „Fernlehre“ zuhause

Während sich die Schüler*innen im Home Schooling befanden, galt für ca. 95 Prozent aller Lehrlinge in Österreich ebenfalls die Fernlehre. Obwohl 77 Prozent der befragten Kärntner Lehrlinge mit der schulischen Organisation zufrieden waren, kam das Lernen in den eigenen vier Wänden trotzdem bei rund der Hälfte der Betroffenen nicht gut an.

Die Jugendlichen konnten sich zuhause nicht so gut konzentrieren. Ein Drittel hatte Probleme bei der Vermittlung des Lernstoffes und jeder zweite Lehrling klagte über eine geringere Lernmotivation. Das Lernen allein zuhause brachte damit insbesondere in Mathe mehr Schwierigkeiten mit sich, so Christoph Appé, Referatsleiter für Lehrlinge und Jugend in der AK in Kärnten.

AK fordert mehr Unterstützungsmaßnahmen

Trotz der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, der hohen Arbeitslosigkeit und des vieldiskutierten Fachkräftemangels werden die Probleme der Lehrlinge, laut der AK, nicht ausreichend ernst genommen. Die alarmierenden Studienergebnisse sollen nun zur Sensibilisierung für die Situation der Auszubildenden beitragen, heißt es bei der AK Kärnten.

Außerdem sollen schulpsychologische Dienste und Nachhilfeangebote verstärkt und Sportstätten für Jugendliche wieder geöffnet werden. Zudem wird von der AK Kärnten eine „Lehrlingsmilliarde“ gefordert: Dabei sollen Unternehmen ein Prozent der Bruttolöhne in einen Topf einzahlen und dieses Geld soll schließlich Betrieben, die Lehrlinge ausbilden, zugutekommen.